Ich habe mich immer gefragt, wie sieht es aus hinter den Kulissen bei denen, die Nähen nicht nur als Hobby haben, sondern es beruflich ausüben.
Komm mit auf eine Reise durch die Ateliers und Werkstätten und mach mit mir einen tiefen Einblick hinter die Kulissen…

 

Heute im Gespräch mit Andrea Janßen-Wilmsen von LittleBabyJo

 

 

 

 

 

 

Hallo Andrea, schön dich zu treffen. Ich bin schon sehr gespannt… Zu allererst: Wer bist du und was machst du?

Hallo und guten Morgen. Ich heißte Andrea, bin 50 Jahre alt, verheiratet, Mama von zwei wundervollen (wie auch sonst?!) Töchtern im Altern von 19 und 13 Jahren und komme aus Kleve am schönen Niederrhein. 2002 habe ich das Label LittleBabyJo gegründet. Wir fertigen (soweit irgendwie möglich) ökologische Babyausstattung an.

Was bietet ihr an, was habt ihr im Sortiment?

Die komplette Babyausstattung ohne “Hardware”. Also vom Stillkissen über Krabbeldecken, Wickelauflagen bis Decken, vom Kuschelkissen über Strampelsäcken/Pucksäcken bis hin zu Wimpelketten – quasi ein komplett eingerichtetes Babyzimmer ohne Möbel In unserem Geschäft haben wir außerdem weitere Firmen, die auch in Deutschland fertigen oder eben genau die gleichen hohen Qualitätsansprüche an ihre Materialien haben wie wir.

Wow, das klingt toll!! Wie bist du dahin gekommen? Hast du eine Schneiderausbildung gemacht oder kam das so nebenher? Wie war dein Weg hin zu LittleBabyJo?

Der Weg hat sich einfach gezeigt. Ich habe eine Hotelfachausbildung absolviert, war aber schon als Kind immer kreativ. Mit der einen Oma gehäkelt, mit der anderen gestrickt, eine Tante (Schneiderin) hat mir schon früh beigebracht, mit der Nähmaschine (einem uralten Tretmodell) umzugehen. In unserer Familie gibt es diverse gelernte Schneider und das Kreative liegt auch in der Familie. Aber ICH wollte das niemals machen, daher das Hotelfach. Dort hat man aber schnell gemerkt, dass ich nähen kann und somit musste ich wöchentlich die Wäsche reparieren. Mein Entschluss, niemals so etwas “für immer” zu machen wurde dadurch nur bestärkt.

1996 kam dann Tochter 1 zur Welt und es gab überall nur Bärchenmotive. Also Nähmaschine raus und selbst gemacht. Alles!

Dann war bis 2002 das Nähen wieder nur Hobby. Und irgendwie hat es dann gepasst: aus dem Hobby wurde Beruf und irgendwie auch Berufung

Dafür macht man dann eine Ausbildung im Hotelfach um dann zu sitzen und die Wäsche zu flicken… Wie ging es weiter?

Ja, ich hätte wohl nichts sagen dürfen Weiter ging es dann nach dem Entschluss, das Nähen zum Beruf zu machen, mit Onlineshop und Kunsthandwerkermärkten. In der Zeit waren diese Märkte noch etwas Besonderes (inzwischen gibt es meiner Meinung nach viel zu viele, aber das ist ein anderes Thema) und wir waren wirklich 40 Wochenenden im Jahr unterwegs.

Da wart ihr ja echt viel unterwegs…

2008 (Kind 2 war im Kindergarten und 5 Jahre alt) hatte ich die Idee, mich in meiner Heimatstadt nach einem Lädchen umzusehen. Aber ich habe gar nicht wirklich gesucht das Lädchen hat eher mich gefunden. Süße 30 qm inkl. allem. 2011 dann der Umzug auf 60 qm (direkt nebenan) und Anfang diesen Jahres mitten in die Fußgängerzone auf 80 qm plus Anfertigungsatelier und Büro und allem, was dazugehört. Und hier sind wir jetzt und sehr glücklich und sehr zufrieden

Da habt ihr ja ständig erweitert. Wie wird das Angebot angenommen? Verkauft ihr nur noch über den Laden oder gibt es auch einen Onlineshop? Geht ihr noch auf Märkte?

Ja, wir haben auch einen Onlineshop. Einen eigenen Shop, also nicht über eine Plattform. Diese Variante ist für uns nichts, ausprobiert wurde es natürlich. Märkte funktioniert trotz mehrerer Mitarbeiter nicht mehr. Ich bin selbst von Montag bis Samstag mit im Geschäft und kümmere mich auch um den Onlineshop. Der Sonntag ist mir nun nach vielen Jahren Gastronomie und Marktleben “heilig”.

Verständlicherweise!!! Wie sieht dein Alltag aus? Mit Kindern ist es ja manchmal nicht so ganz einfach, auch wenn deinen ja nicht mehr klein sind…

Der Alltag ist inzwischen gut durchgeplant und mit dem KLEINEN Kind von fast 13 Jahren auch inzwischen entspannt zu schaffen.

In den Anfängen, als die Große 7 und die kleine gerade mal ein Jahr alt war, war eine Kinderfrau bei uns, wenn ich viel zu tun hatte. Damals habe ich aber noch sehr viel von zuhause aus gearbeitet, das kam mir natürlich sehr entgegen.

Du hast dir also helfen lassen. Ich denke, das hat es deutlich entspannter gemacht. Wie läuft es heute? Haushalt ist wie ich merke bei allen ein großes Thema… Wie organisiert ihr euch? Hilft deine Familie mit? Hast du Dinge ausgelagert oder sogar abgeschafft?

Haushalt ist so gar nicht mein Thema. Darum ist es gut, dass mein Mann gerne und viel hilft. Bügelwäsche wird abgegeben, aber alles andere steht natürlich jeden Tag mit auf dem Programm. Mein Mann ist ebenfalls selbständig und kann auch einspringen, wenn Kinderfahrdienste angesagt sind. Mit Geschäft ist man zeitlich ja schon an die Öffnungszeiten gebunden.

Ja, mein Haushalt und ich – eine unendliche Geschichte! Und wir lieben uns nicht mal…

Und täglich grüßt das Murmeltier – ja

Jaaa, genau! Ich habe auch meinen Mann, der mich sehr unterstützt. Das ist einfach Gold wert. Was gefällt dir an deinem Beruf? Weshalb tust du es so gern? Immer noch…

Ich denke, da spielen viele Dinge eine Rolle: ich liebe es selbständig zu sein, trotz aller Dinge, die es manchmal nicht einfach machen. Ich finde die Kundennähe toll und den Umgang mit Menschen genieße ich sehr. Kreatives Arbeiten bleibt manchmal leider ein wenig auf der Strecke, aber alles, was hier angefertigt wird, ist irgendwie “meins”. Und jeden Tag sagen zu können “ich gehe gerne zur Arbeit” ist natürlich ein ganz wesentlicher Aspekt.

Das ist denke ich der Kern der ganzen Sache. Auch für mich ist es immer wieder der pure Luxus, wenn ich mir mal wieder vor Augen führe: Ich arbeite gern!! Ich liebe, was ich tue! Plaudere doch mal ein bisschen aus dem Nähkästchen: Gibt es einen besonderen Kunden oder Auftrag, an den du dich gerne erinnerst? Oder auch einen, den du lieber vergessen würdest?

Im Grunde genommen haben wir wirklich nur tolle Kunden, alleine der Grund, warum man zu uns ins Geschäft kommt, ist ja ein freudiger Schlimm fand ich in der Anfangszeit eine Situation, in der die Kundin sich etwas ausgesucht hat und kaufen wollte und ihr Begleiter um die Ecke kam und laut durch den Laden sagte “das kaufen wir nicht, das ist doch auch alles bloß Made in China”. Ich bin aus allen Wolken gefallen und war sprachlos. Kommt nicht oft vor, aber das war so ein Moment!

Das haben wir leider auch schon erlebt. Komischerweise war es hier auch ein Mann, der nicht glauben wollte, dass alles handgefertigt ist. Ich sage mir dann immer: Qualität setzt sich durch. Hier wird niemand zum Kauf gezwungen…

Und eine süße Anekdote: unser allererstes Ladenbaby (inzwischen schon großes Schulkind) kommt heute noch regelmäßig zu uns ins Geschäft um HALLO zu sagen.

Ach wie schön…

Ja, so sehe ich es inzwischen auch und es hat sich ja auch bewahrheitet.

Wie habt ihr Kontakte zu den Firmen aufgebaut, deren Artikel ihr auch verkauft?

Oh, das war gar nicht so einfach, denn in den Anfängen war Google und Co. oder gar Facebook ja überhaupt kein Thema. Daher hieß es für uns von Messe zu Messe, telefonieren, Firmen besuchen usw. Da steckte monatelange Recherchearbeit drin.

Ja, Facebook hat es in der Tat sehr vereinfacht. So haben wir sehr schnell Partner für unseren Popupstore gefunden. Noch eine letzte Frage: Wann hast du das letzte Mal gekocht und was?

Gestern abend: es wurde, dank des tollen Wetters, gegrillt. Ich versuche allerdings wirklich jeden Abend ein gemeinsames Abendessen. Denn das ist das einzige Mal am Tag, wo alle zusammensitzen können.

Das hört sich gut an. Finde ich auch sehr wichtig! Ich danke dir sehr für deine Zeit!

Vielen DANK Sabine! Ich wünsche Dir einen tollen Tag und alles Gute.

Danke!! Dir auch…

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